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Planeten, Planeten!

Kepler 9 mit den Planeten 9b und 9c
Kepler 9 mit den Planeten 9b und 9c Künstlerische Darstellung, Quelle: NASA

28.08.2010


Kaum eine Woche vergeht, in der nicht einer auftaucht, ein neuer Planet. Seit 1989 wurden 476 Planeten, die um fremde Sonnen kreisen, entdeckt. Mit der Weiterentwicklung von Methoden und Technik steigt die jährliche Entdeckungsrate seit 2002 sprunghaft an. Allein im Jahr 2009 kamen 82 der sogenannten Exoplaneten dazu, bis Ende August 2010 sind es schon 61!

Die letzte Meldung der NASA ist noch keine 3 Tage alt und berichtet über den Fund von zwei oder drei neuen Planeten, die den rund 2000 Lichtjahre entfernten Stern Kepler-9 umrunden. Erstmals wurde dabei ein Planetensystem aufgespürt, in dem zwei Planeten von der Größe des Saturn vor dem Muttergestirn vorbei ziehen. Die beiden Gasriesen erhielten die Bezeichnung Kepler-9b und Kepler-9c.

Und dann war da noch ein weiteres, schwaches Signal in der per Transitmethode gewonnenen Aufzeichnung zu erahnen! Der winzige Ausschlag erhielt die Bezeichnung KOI-377.03 und ist noch keine bestätigte Entdeckung. Wenn sich dahinter jedoch ein Planet verbirgt, dann handelt es sich um einen Gesteinsplanten mit 1,4 – 1,6-facher Erdmasse. Eine zweite Erde ist das ganz sicher nicht, denn KOI-377.03 umkreist sein Muttergestirn in nur 1,6 Tagen! Die Bedingungen auf dieser Welt dürften dem Inneren eines Hochofens wohl am nächsten kommen. Kein Ort für mögliches Leben also. Was aber diese Entdeckung besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass die Instrumente der irdischen Planetenjäger mehr und mehr in Lage kommen, erdgroße Planeten zu erkennen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass Kepler-9 ca. 47 Milliarden mal weiter von uns entfernt ist, als unser Mond. Das ist messtechnisch betrachtet eine Meisterleistung! Und die Methoden werden ständig verfeinert.

Ich fange einmal an zu spinnen und stelle die Frage, was es bedeuten würde, wenn wir in, sagen wir mal 10 Jahren, dazu in der Lage sein werden, erdähnliche Planeten massenhaft aufzuspüren? Was bedeutet das für unser Weltbild und unser Selbstverständnis? Was wenn Gesteinsplaneten eher die Regel, als die Ausnahme sind? Neueste Grobauswertungen der Daten des Weltraumteleskops Kepler geben Hinweise auf ca. 140 erdgroße Planeten. Sollte sich das erhärten, sind Gesteinsplaneten in der Statistik schwer auf dem Vormarsch!

So wie ich es sehe, stehen wir gerade vor einem gesellschaftlichen Umbruch, der weit größer ist, als der Einzug des Industriezeitalters oder die Digitale Revolution. Wir sind just dabei die Schwelle unserer selbsterkorenen geistigen Isolation im Weltall zu überschreiten! Bislang waren wir nur in der Lage, uns eine einmalige, isolierte Menschheit im Universum vorzustellen. Die beobachtete Realität zeigte uns genau dieses Bild und verwies allein die Möglichkeiten für außerirdisches Leben in den Bereich der Vermutung. Menschen sind allein! Basta! Es gibt außer der Erde schlicht keinen Ort, auf dem sie leben könnten. Religionen nutzen diese geistige und offenbar reale Isoliertheit seit Jahrtausenden, um ihre Macht auf der Erde auszuüben.

Mit einer zunehmenden Zahl erdähnlicher Planeten stößt die Wissenschaft Türen und Fenster zu einem neuen Selbstverständnis auf. Zurzeit ist das gerade einmal die Dämmerung zu der Erkenntnis, dass das Universum voller Orte ist, an denen Leben möglich existieren kann. Heute haben wir, beobachtungstechnisch betrachtet, gerade mal ein paar Fenster einen Spalt weit aufgemacht. Aber schon entdecken wir erstaunliches! Was, wenn die Augen der Beobachter schärfer werden? Was, wenn ihr Blick weiter reicht und Ihre Wahrnehmung feiner wird?

Was, wenn in nicht allzu ferner Zukunft das Bild der zweiten Erde die Titelseiten der Zeitungen schmückt?

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