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Das Erbe der Raketenmänner

Das Historisch-Technische Museum in Peenemünde

Da stehe ich nun also am ehemals geheimsten Ort auf deutschem Boden.

Von 1936 bis 1945 befanden sich hier die Versuchsanstalten Peenemünde, in denen bis zu 12.000 Menschen damit beschäftigt waren, Raketen für das Naziregime zu entwickeln.

Wunderwaffen für den Endsieg!

Zum Glück für uns alle, vollbrachten diese Waffen weder Wunder, noch führten sie zum Endsieg in einem längst verlorenen Krieg. Quasi nebenbei wurden durch die Entwicklung der A4-Rakete (den meisten Lesern besser bekannt als V2) die Wurzeln für die Raumfahrt gelegt, wie wir sie heute kennen. Die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond, nur 24 Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges, wären ohne die Grundlagenforschung am Nordwestzipfel der Insel Usedom nicht möglich gewesen.

Deshalb ist es gut, dass heute ein Museum an dieser Stelle daran erinnert. Die Art der Ausstellung im ehemaligen Kraftwerk von Hitlers Area 51 ist dabei ein gelungener Mix aus Technik, Geschichte und Erinnerungskultur an die vielen Opfer, die der Größenwahn der Nazis auch an diesem Ort gefordert hat. Beleuchtet werden auch die militärischen Folgen der V1 und V2. Der kalte Krieg hat ebenfalls einige seiner Wurzeln hier.


Ich bin Jahrgang 1964 und damit ein Kind des kalten Krieges. Deshalb bin ich auch eine ganze Weile an einem Schachspiel stehen geblieben, das in einem Zwischenraum ausgestellt ist. Die Figuren sind aus Stahl gefertigt und stellen Raketen dar. Dieses Spiel sieht abgrundtief böse aus und ich stand davor und malte mir aus, wie die Machthaber in Washingston und Moskau 40 Jahre lang mit Milliarden von Leben Schach gespielt haben. Und sie tun es heute wieder oder immer noch.


Wie immer dem auch sei, diese Ausstellung macht auch klar, was es bedeutet hätte, wenn Hitler seine Raketen mit Atomsprengköpfen hätte ausrüsten können.

Es gibt eine Wand mit den Schlagzeilen zeitgenössischer Zeitungen über die Terrorwaffen der Nazis. In fast allen Artikeln wird die ungeheure Zertörungskraft der konventionellen Sprengköpfe auf den V1- und V2 -Raketen beschrieben. Wie ganze Häuserzüge ohne Vorwarnung in Schutt und Asche verwandelt wurden und Menschen, die glaubten, dem Krieg entronnen zu sein, ihm plötzlich wieder schutzlos und direkter als je zuvor ausgeliefert waren.

Das die Entwickler dieser Raketen nach dem Krieg mit weiß gewaschenen Lebensläufen ausgestattet, in Ost wie in West, die Raumfahrt vorantreiben, wird ebenfalls kritisch beleuchtet. Die Geschichte der modernen Weltraumfahrt ist, wie die meisten anderen Geschichten der Menschheit auch, eben weder frei von Flecken und Kratzern, noch wurde sie zu allen Zeiten gleich erzählt.

Der Blick, den man hier darauf erhält ist somit verwirrend und vielschichtig und genau mit diesem Eindruck stehe ich nach meinem Besuch auf dem Parkplatz. Ich denke, die meisten Besucher gehen hier mit gemischten Gefühlen wieder raus und genau damit hat die Anlage ihr Ziel erreicht. Die Spanne zwischen der Begeisterung für den Beginn der Raumfahrt, dem Wahnsinn der Vergeltungswaffen und den damit verbundenen Biographien, hat mir einmal wieder gezeigt, wie komplex die jüngere Geschichte unseres Landes ist.

Eine Frage kann ich allerdings mit Sicherheit mit einem klaren Ja! beantworten, nämlich die, ob sich ein Besuch in Peenemünde lohnt?

Tut er in jedem Fall. Wenn Sie dort sein sollten, investieren Sie ruhig den zusätzlichen Euro, um mit dem Aufzug auf das Dach des Kraftwerks hoch zu fahren. Ein fantastischer Ausblick ist Ihnen sicher! Bei klarem Wetter können Sie im Westen sogar die Insel Rügen sehen und die Ausblicke von oben auf das Museumsgelände sind den Euro wert, versprochen.

Museumsschiffe


Im Hafen von Peenemünde sind noch zwei Zeugnisse des kalten Krieges zu besichtigen.

Da wäre zunächst der größte jemals gebaute konventionelle U-Raketenkreuzer, die sowjetische U-461 und auf der anderen Seite des Hafenbeckens die Flugkörperkorvette Hans Beimler der ehemaligen DDR-Volksmarine.

Sie können also auch die Folgen der Raketenmänner von Peenemünde erfahren.

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